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Auktions-Preview zu Herbert Achternbusch bei Ruef

Herbert Achternbusch

Herbert Achternbusch ein Unbequemer, ein Anarchist, Filmemacher, Schriftsteller, Maler und Bayer

Landshut – pm (29.05.2026) Das Kunst- und Auktionshaus Ruef am Dreifaltigkeitplatz präsentiert bei seiner Sommerauktion (Sa., 11. Juli) Arbeiten von Herbert Achternbusch. Dazu zählen Zeichnungen, Aquarelle, liebevoll illustrierte Postkarten, Illustrationen zu Kinderbüchern sind Grabbeigaben und Liebesgaben zugleich. Allessamt Zeugnisse eines Lebens, das restlos in Kunst verwandelt wurde. Am Donnerstag, 18. Juni, findet von 18 bis 21 Uhr die "Preview" zur Auktion statt.

Herbert Achternbusch war ein Unbequemer. Ein Unbestechlicher. Ein Mensch, der sich zeit seines Lebens weigerte, still zu sein. Sein Werk fordert uns noch heute heraus, provoziert und berührt.

Geboren 1938 als uneheliches Kind in München, wuchs er bei seiner Großmutter auf einem Weiler im Bayerischen Wald hoch über Deggendorf auf. Diese Herkunft aus der niederbayerischen Provinz sollte ihn nie loslassen: Sie war Quelle seiner Wut, seiner Sehnsucht und seiner unerschöpflichen kreativen Kraft.

Das Leben meinte es früh ernst mit ihm. 1959, noch Schüler am Gymnasium in Deggendorf, wurde er Vater: Seine Mitschülerin brachte Tochter Eva zur Welt. Die Schule verwies ihn.

Ein Jahr später adoptierte ihn sein leiblicher Vater: Aus Herbert Schild wurde Herbert Achternbusch. Mit einem Mal hatte er ein Kind, einen neuen Namen und keine gesicherte Zukunft. Was blieb, war die Kunst.

Er studierte an den Kunstakademien in Nürnberg und München, fertigte Plastiken, zeichnete und malte, war im Haus der Kunst vertreten.

Mitte der 1960er Jahre, auf Anraten von Freunden, verlegte er sich aufs Schreiben. 1964 erschienen erste Gedichtbände im Suhrkamp Verlag, 1971 folgte der Erstlingsroman Die Alexanderschlacht und mit ihm sicherte er sich ein fester Platz in der literarischen Avantgarde der siebziger und achtziger Jahre.

Achternbusch war kein Künstler, der sich auf ein Metier beschränken ließ. Er malte, schrieb Romane und Gedichte, schuf Plastiken, verfasste Theaterstücke und drehte über dreißig Filme, in denen er meist zugleich Autor, Regisseur und Hauptdarsteller war. Er arbeitete mit minimalem Budget, setzte Laiendarsteller neben Profis, finanzierte seine Projekte oft selbst, weil er nicht wollte, dass ihm jemand dreinredet. Seine Freunde, Kumpane und Weggefährten bekamen Rollen. Das Kino war für ihn kein Gewerbe, sondern eine Lebensform.

Er scheute keine Konfrontation. Als sein Film Das Gespenst (1983) Jesus Christus vom Kreuz steigen ließ, um mit einer Kellnerin eine Kneipe zu eröffnen, entzog ihm Innenminister Friedrich Zimmermann die Filmförderung: Das religiöse Empfinden der Bevölkerung sei verletzt worden. Achternbusch klagte und gewann nach zehn Jahren vor dem Oberverwaltungsgericht Münster. Der Sieg hatte aber Folgen: Fernsehanstalten und Fördergremien mieden ihn fortan. Auch sein früherer Protest hatte Maßstäbe gesetzt: 1977 verbrannte er vor aller Augen den Scheck des Petrarca-Preises und verließ unter Protest die Veranstaltung.

Doch Achternbusch ließ sich nicht zum Schweigen bringen. Er zog sich ins österreichische Waldviertel zurück, in ein ehemaliges Forsthaus nahe der tschechischen Grenze, das er zu einem Gesamtkunstwerk umgestaltete und mit feiner Ironie „die nördlichste Karawanserei der Mongolei" nannte. Dort arbeitete er weiter, bis zu seinem Tod im Jahr 2022.

In einem seiner frühen Texte schrieb er 1970 in "die Macht des Löwengebrülls", Zitat: „Er kam aus Niederbayern, hieß Herbert Schild, war Lehrling bei einem Schreiner. In München traf er als Jüngling ein, der schriftdeutschen Sprache und aller Komplemente unerfahren. Dass der Armeleutesohn zu seinem Erfolg forcierte Bildung nicht brauchte, zeigen seine Notizen und noch fünf Jahrzehnte später sein in einem Gemisch von Unverstand und Deutsch verfasstes Testament.“

Was bleibt? Ein Werk voller Wiedersprüche, das genau darin seine Stärke findet. Achternbusch liebte Bayern mit derselben Leidenschaft, mit der er es verachtete.

Er war tragikomisch, bewusst geschmacklos und von einer eigentümlichen, verträumten Heiterkeit: Ein Enfant terrible, das nie aufhörte, Kind zu sein.

Sein sehr erfolgreiches Theaterstück "Gust" endet mit den Worten: „Jetzt muss ich gehen, sonst krieg' ich Abschiedsschmerzen. Ich hab' mir allweil denkt, ich werd' nie 18 Jahr ... Und jetzt bin ich auf einmal 83.“

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