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Besuch in der Bartning Kirche Gerzen - Ein echtes Spiegelbild der Geschichte: Wenn das Sonnenlicht ...

gerzener kirche

Gerzen (312.01.2017) Ganz knapp neben der Gemeindegrenze von Gerzen findet man ein architektonisches Kleinod, dass den Besucher zum spirituellen Verweilen einlädt: die Erlöserkirche oder auch sogenannte Bartning-Notkirche.

Diesem in der Region einmaligen Kirchenbau stattete die Landtagsabgeordnete Ruth Müller in Begleitung ihrer Kreistagskollegin Filiz Cetin und des Kreisheimatpflegers Peter Barteit einen Besuch ab. Zusammen mit einigen Mitgliedern des Kirchenvorstands der evang. – luth. Kirchengemeinde Vilsbiburg durfte der Besucherkreis den äußerst interessanten Ausführungen von Pfarrer Michael Lenk zur Entstehungsgeschichte lauschen.

Die Kirche wurde 1951 von dem Architekten Otto Bartning, dem Leiter der Bauabteilung des Evangelischen Hilfswerks, geplant. Unter seiner Betreuung legte das Hilfswerk mit Unterstützung ausländischer Kirchen zwei sogenannte Serienkirchenprogramme auf. Bartning entwarf drei Typen der sogenannten ‚Bartning Notkirchen’, von denen in Deutschland insgesamt 43 gebaut wurden. Der Mangel an gottesdienstlichen Räumen, der durch die Zerstörung vieler Kirchen während des Krieges entstanden war, sollte so mit einfachen Mitteln und dem System der Holzständerbauweise zügig beseitigt werden. Otto Bartning gilt neben seinem Einfluss auf die architektonische Bauhausbewegung als wichtigster protestantischer Kirchenbaumeister Deutschlands.

Seine Bauten bestechen durch die Reduktion aufs Wesentliche. Bartning hat aus der materiellen Not der Zeit eine Tugend gemacht. Sein schlichter Baustil hilft dem Besucher dabei zur Ruhe zu kommen: „Man ist an diesem Ort nicht mit visuellen Reizen beschäftigt, sondern kann sich ganz auf sich selbst konzentrieren“, äußerte Filiz Cetin ihre persönlichen Eindrücke, „der optimale spirituelle Ort ist immer eine Quelle der Ruhe und der Kraft“.

Für die evangelische Gemeinde Gerzen, die 1945 noch aus 2400 Mitgliedern bestand und die aktuell eine Glaubensgemeinschaft von 140 Gläubigen umfasst, spielt die Kirche auch gegenwärtig noch eine wichtige Rolle bei Gottesdiensten und Trauungen. „Dieser Ort ist ein Spiegelbild der Geschichte und beeindruckt mich besonders durch den Anspruch neben der Liturgie des Gottesdienstes auch als Ort für das gemeinschaftliche Zusammensein der Gläubigen zu dienen“, so Ruth Müller.

Die Kirche besticht besonders durch den Lichteinfall der beiden gegenüberliegenden Fenster, die mit ihrer Farbgebung auf der einen Seite in rot und auf der anderen Seite in grau, symbolisch für die Sonnen- und Schattenseiten des Lebens oder aber auch für den Kreislauf von Geburt und Tod stehen könnten. „Um mich aufzuladen und innere Kraft zu gewinnen, brauche ich nur diesen einen wunderbaren Moment, wenn bei der Morgenandacht das Sonnenlicht über die Gesichter der Gläubigen schleicht“, so drückt Pfarrer Lenk seine ganz persönliche Bindung zu diesem Gotteshaus aus.

Die Otto-Bartning-Stiftung sammelt derzeit deutschlandweit Unterschriften für ihr Anliegen, die Bartning-Notkirchen in die von der UNESCO geführten Liste des Weltkulturerbes aufnehmen zu lassen.

Wer an einer Besichtigung der Kirche interessiert ist, kann sich gerne direkt an Pfarrer Michael Lenk, Evangelisches Pfarramt Vilsbiburg, Telefon 08741 1827, wenden.

Bild oben: von links Pfarrer Michael Lenk, Max Scholz, Ruth Müller (MdL), Peter Barteit, Filiz Cetin, Inge Sailer, Ingrid Kirsch

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