
Landshut (27.11.2016) „Wir brauchen die 3. Startbahn, damit Bayern weiter Spitze bleibt“, so Seehofer bei seiner Regierungserklärung im Herbst 2016 vor dem Bayerischen Landtag. Noch ein Jahr zuvor beim Besuch in Attaching, dem Brennpunkt des Ausbaus im Oktober 2015 rief er den vom Ausbau Betroffenen zu: „Eure Argumente sind stark!“. Jetzt ist er – wie so oft in den letzten Jahren – komplett umgeschwenkt.
Die Bürgerinitiative (BI) Landshut ist jedoch überzeugt, dass auch mit den vorhandenen zwei Startbahnen der Flugbetrieb über Jahre hinaus gesichert ist.
Vor kurzem trafen sich Vertreter der BI Landshut im Gasthaus zum Krenkl, um vergangene Aktionen Revue passieren zu lassen und Neuwahlen abzuhalten. Laut Siegfried Pschibul-Markgraf, dem Sprecher der BI, haben sich bereits im Jahr 2007 Gleichgesinnte zusammengefunden, die gegen den Größenwahn am Münchner Flughafen ankämpfen wollten. Am 12. September 2011 war die konstituierende Sitzung der BI.
Auslöser für die Wiedergründung der BI war der Planfeststellungsbeschluss für die 3. Bahn, der im Juli 2011 von der Regierung von Oberbayern erlassen wurde. Im Juni 2012 brachte dann der vielbeachtete Münchner Bürgerentscheid ein fast unglaubliches Ergebnis: Die Münchner lehnten zu 54% den Bau der 3. Bahn ab, und das trotz massiver Werbekampagnen der Befürworter. „An diesen Bürgerwillen hält sich Oberbürgermeister Reiter auch heute noch“, erläutert Pschibul-Markgraf. Im Februar 2014 kam dann die Ernüchterung: Der Verwaltungsgerichtshof wies sämtliche Klagen, auch die des Bund Naturschutz, gegen die 3. Startbahn ab.
Noch im gleichen Jahr radelte die BI von Landshut nach Attaching und ließ sich durch das ökologisch wertvolle Gelände führen. Auch die Landshuter bekamen zuletzt 2015 den Flughafen quasi akustisch serviert: In der Innenstadt wurde der Lärm eines startenden Jets durch einen Lärmgenerator simuliert. Nachdem der Ministerpräsident nun den Bau der Startbahn urplötzlich befürwortet, überlegt sich das Bündnis aufgeMUCkt, wie darauf zu reagieren ist, so Pschibul-Markgraf. Ein Arbeitskreis ist bereits dabei, einen aktuellen Faktencheck zu erarbeiten, um die Behauptungen der Flughafenbetreiber zu entkräften. Denn die Flugbewegungen gingen von 2008 bis 2015 von 432.000 bis 380.000 jährlich merklich zurück. Und erst bei mehr als 480.000 Flugbewegungen reiche die Kapazität mit 2 Bahnen nicht mehr aus, gibt sogar der Flughafenbetreiber FMG zu. „Damit sind sämtliche Forderungen nach einer 3. Bahn faktisch widerlegt“ verkündet Siegfried Polsfuß vom VCD. Noch schlimmer ist die durch den Bau unwiederbringlich verlorene
wertvolle Moorlandschaft, die sogar europarechtlich geschützt ist. Kathy Mühlebach-Sturm und Christian Thurmaier vom Bund Naturschutz Landshut: „Wenn man den Schutz von Klima und Natur wie in der Bayerischen Verfassung verankert, ernst nehmen würde, käme man nie auf die Idee, eine Fläche größer als der Tegernsee zuzubetonieren.“
Einstimmig wurde Siegfried Pschibul-Markgraf als 1. Sprecher der BI wiedergewählt. Als 2. Sprecherin fungiert Hedwig Borgmann. Ebenfalls einstimmig votierten die Anwesenden für Dr. Christian Thurmaier als Schriftführer, der mit Elke März-Granda das Presseteam bildet. Dieter Streit wurde als Kassier bestätigt.
Für die Zukunft ist der alte und neue Sprecher Pschibul-Markgraf optimistisch, dass das Vorhaben doch noch verhindert werden kann: „Wir kämpfen weiterhin aufrecht gegen unsinnige steuergeldverschlingende Mammutprojekte und werden den Münchnern bei einem möglichen erneuten Bürgerentscheid beiseite stehen!“
Im Bild oben: Die Vertreter der Bürgeiinitative - unten von links: Elke März-Granda, Kathy Mühlebach-Sturm, Michael Sedlmeier, (oben von links nach rechts) Siegfried Polsfuß, Emil Kühn, Hedwig Borgmann, Siegfried Pschibul-Markgraf, Dr. Christian Thurmaier (Schriftführer, Pressekontakt)

