
Besuch der Künstlerin Sabine Ackstaller (2. v. l.): MdL Petra Högl (v. l.), stv. Landrat Manfred Jackermeier, Bezirksheimatpfleger Dr. Clemens Knobling und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich. - Foto: Roider
Niederbayern - pm (14.10.2026) Ob Schreinerei, lichtdurchflutetes Speicheratelier, Kellerwerkstatt, heimischer Werktisch oder alter Luftschutzbunker: Beim „Tag der offenen Kunstwerkstatt“ offenbart sich die Kunst dort, wo sie entsteht. So auch am vergangenen Sonntag wieder, als 194 Ateliers in ganz Niederbayern Besucherinnen und Besucher herzlich willkommen hießen.
„Der diesjährige Ateliertag war ein voller Erfolg“, freut sich Projektleiterin Veronika Keglmaier vom Kulturreferat des Bezirks Niederbayern. „Sowohl vor Ort beim Besuch verschiedener Werkstätten als auch durch die Rückmeldung zahlreicher Kunstschaffender konnten wir feststellen, dass wirklich viele Besucher die Gelegenheit nutzten, um die Orte aufzusuchen, an denen Bildende Kunst entsteht.“ Das Projekt „Ateliers in Niederbayern“, veranstaltet vom Bezirk Niederbayern mit Unterstützung der BBK Niederbayern e.V. und Niederbayern-Oberpfalz e.V., schlägt seit 25 Jahren im Zweijahresturnus die Brücke zwischen abgeschiedener Werkstattarbeit und direktem Kontakt zu den Menschen. „Schön zu hören ist es, dass die Teilnehmer mit der Organisation zufrieden waren, von äußerst interessierten Besuchern und guten Gesprächen berichten und auch Werke verkaufen konnten“, fasst Keglmaier zusammen. „Ebenso freut mich, dass die Presse das Projekt gut begleitet hat, da wir ja möglichst viele Menschen auf diese schöne Gelegenheit zum Besuch der Kunstwerkstätten aufmerksam machen möchten.“
Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich war den ganzen Projekttag über mit Bezirksheimatpfleger Dr. Clemens Knobling in unterschiedlichsten Ateliers unterwegs – so auch bei zwei jungen Künstlerinnen, deren Werke auch im öffentlichen Raum bestaunt werden können:
In einem 200 Jahre alten Gebäude wirkt beispielsweise die Bildhauerin und akademische Künstlerin Lucia Mirlach in Rottenburg a.d. Laaber (Landkreis Landshut). In den ehemaligen Stallungen und dem Gewölbekeller, der als Brauereikeller bzw. Luftschutzbunker diente, widmet sie sich dem Vergänglichen, dem Kreislauf des Lebens und dem Verborgenen. „Ich bin fasziniert von Formen, wie sie in der Natur gewachsen sind“, beschreibt Mirlach ihre Serie „Unter Wert“. Dort zeigt sie das Verborgene, das zunächst nicht sichtbar ist: einen Wurzelstock oder das Innere eines Baumstamms – jeweils in Gold getaucht. Oder sie bringt Geschichte mit Ziegelsteinen auf eine Leinwand, fängt das Wesen einer Person in modellierten Portraits ein, arbeitet viel mit Körperabdrücken und zeigt so, was über den Tod hinaus bleibt. Die Spuren, die der menschliche Körper hinterlässt. Dabei beschränkt sie die Präsentation ihrer Kunst nicht auf ihr Atelier oder Ausstellungsräume, sondern zeigt sie im öffentlichen Raum – wie aktuell im Skulpturenpark Freilassing.
Vom Entstehungsprozess bis zum fertigen Werk
Ebenfalls auf verschiedenste Materialien und Techniken setzt Sabine Ackstaller aus Kirchdorf (Landkreis Kelheim) in ihrer Kunst. Blumen und lebensechte Figuren aus Fiberglas, ihr eigener Entwurf einer Weihnachtskrippe aus Tombak, eine Blütenkugel aus Polymergips, Stahl und Holz oder auch Lithografie, also Steindruck auf Papier: Ackstaller sucht immer nach dem passenden Material für ihre Idee. „Und die Ideen kommen aus meinem Umfeld“, erklärt sie. „Aus der Natur und allem, was mich umgibt.“ So verschieden ihre Arbeiten also sind, verbindet die Bildhauerin und Grafikerin immer das eine: die Formensprache. Das Runde, das Verbindende zieht sich durch ihr Schaffen. Eines ihrer Projekte ist an zahlreichen historischen und geschichtsträchtigen Orten in Bayern zu finden: Der „Würfel der Demokratie“. Seit 2021 wurden bislang 13 Exemplare für Demokratiebildung aufgestellt – u.a. im Bayerischen Landtag. Acht weitere folgen.
„Der Aktionstag zeigt: Niederbayern hat viel zu bieten. Und es gibt zahlreiche inspirierende Künstlerinnen und Künstler, die vor Ort wirken und in die Gesellschaft hinein“, zeigte sich Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich beeindruckt.
Bezirksheimatpfleger Dr. Clemens Knobling betont in seinem Fazit zum 15. Atelierstag: „Nicht nur das fertige Werk fasziniert an der Kunst, sondern auch dessen Entstehungsprozess. Beides gehört untrennbar zusammen. Darum war es mal wieder großartig, einen Einblick in die Ateliers zu bekommen und zu sehen, wie und mit welch harter Arbeit Kunst entsteht.“
Im Herbst 2028 findet der nächste Aktionstag statt. „Wer weiß, womöglich knacken wir dann den diesjährigen Teilnehmerrekord von 194 und können sogar 200 Künstlerinnen und Künstler in ihren Ateliers besuchen“, zeigt sich Veronika Keglmaier zuversichtlich.

