MdL Toni Schuberl - Foto: Tobias-Koehler
Bayern - pm (22.10.2026) Die Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Toni Schuberl zu den geplanten neuen Atomreaktoren am Standort Temelín sorgt für Kritik. Statt konkrete Maßnahmen zum Schutz der Menschen in den bayerischen Grenzregionen darzulegen, verweist die Staatsregierung vor allem auf Zuständigkeiten des Bundes und laufende Verfahren.
Konkrete Antworten auf Fragen nach Warnsystemen, Evakuierungsplänen, Jodtabletten oder bayerischen Forderungen im Umweltverträglichkeitsverfahren bleiben aus.
Toni Schuberl ist entsetzt über die Sorglosigkeit der Staatsregierung: „Wenn die Söder-Regierung uns wenigstens gesagt hätte, dass sie an Notfallplänen und konkreten Forderungen arbeitet. Aber selbst das tut sie nicht. Ihr sind die berechtigten Sorgen der Menschen hier wohl schlichtweg egal.“
Martin Stümpfig, energiepolitischer Sprecher der Landtagsgrünen, fordert die Regierung zum Handeln auf: „Diese Small Modular Reactors sind genauso gefährlich wie die bereits bestehenden Reaktorblöcke, weil es eben die gleiche Technologie ist. Die Zeit, sich mit klaren Forderungen an den Betreiber ČEZ zu wenden, ist jetzt. Und es ist auch jetzt notwendig, Notfallpläne auszuarbeiten und Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Das kann nicht allein der Bund übernehmen.“
Dass der Bund zuständig sei, lassen die Grünen nicht gelten. Schuberl verweist auf eine Mitteilung von 2024: „Laut Bundesumweltministerium übernimmt Bayern die Federführung bei der Umweltverträglichkeitsprüfung. Das ist ja auch sinnvoll. Wir sind schließlich betroffen. Aber dann muss die Staatsregierung jetzt liefern!“
Das überwiegend staatliche tschechische Energieunternehmen ČEZ möchte bis zum Ende der 2030er Jahre neben den beiden bestehenden Reaktorblöcken mehrere kleine modulare Reaktoren (SMR) bauen. Technisch funktionieren sie so wie klassische Atomkraftwerke und haben auch die gleichen Sicherheitssysteme wie bisher. Sie sollen aber zum Großteil in einer Fabrik produziert werden und werden am Einsatzort nur noch zusammengebaut. In der Theorie macht die Serienproduktion die Reaktoren günstiger, in der Praxis wurde dies aber noch nicht erfolgreich umgesetzt. Schuberl stellt klar: „SMR sind keine neue Technologie, es handelt sich einfach um zusätzliche Meiler des Schrott-AKW Temelín.“ Für das Ausbauprojekt sind die Gesamtkosten derzeit öffentlich nicht bekannt.
Auch die Umweltverträglichkeitsprüfung und weitere Genehmigungsverfahren laufen noch. Dass die bayerische Staatsregierung jetzt beim Bau neuer Meiler in Temelín die ostbayerischen Interessen nicht mehr in der Deutlichkeit einbringen wolle, wie bisher, sehen die Grünen als eine problematische Abkehr der früheren Position der Staatsregierung. „Temelín ist gefährlich und die Staatsregierung muss unsere ostbayerischen Sicherheitsinteressen beim Verfahren vorbringen“, fordert der Grünen-Abgeordnete Schuberl.
Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung haben auch Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, bis zum 18. Dezember Einwendungen und Stellungnahmen an das tschechische Umweltministerium in deutscher Sprache zu übermitteln. Dies geht per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder postalisch an Ministerstvo životního prostředí (Umweltministerium), Vršovická 65, 100 10 Praha 10, Tschechische Republik. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Bayerischen Umweltministeriums.

